Für Schlagzeilen sorgte die kalifornische Energiekrise von Januar bis März, als das gesamte Stromnetz nur durch Abschalten der Stromversorgung im Schichtsystem vor dem Zusammenbruch bewahrt werden konnte. Nacheinander nahm man einzelne Regionen bis zu eineinhalb Stunden vom Netz. Hunderttausende Einwohner und viele Unternehmen waren von diesen rolling blackouts betroffen, Aufzüge blieben stecken, Ampeln fielen aus - die Konsequenzen für die Wirtschaft sind noch nicht abzusehen. Mit Schäden in Höhe von 1,7 Mrd. Dollar pro Woche rechnet die Los Angeles County Economic Development Cooperation. Die kontrollierten Stromabschaltungen bilden den vorläufigen Höhepunkt einer schon länger dauernden Krise, deren Wurzeln in einer gescheiterten Deregulierung des kalifornischen Energiesektors zu suchen sind, einem "kolossalen und gefährlichen Misserfolg", wie es der demokratische Gouverneur von Kalifornien, Gray Davis, genannt hat. Die Entwicklung nahm ihren Ausgang in den frühen 90er Jahren: Zwischen 1991 und 1994 gingen in Kalifornien fast 750 000 Arbeitsplätze verloren, der Bundesstaat steckte in einer tiefen Rezession. Gleichzeitig erreichten die Energiepreise USRekordniveau; sie wurden nur in wenigen anderen Bundesstaaten übertroffen.
In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.