Ausgabe Juni 2001

Bewährungsprobe Biopolitik

Schwierigkeiten bei der Gestaltung des gentechnischen Fortschritts

Wer erst im letzten Jahr begonnen hat, Zeitung zu lesen und fernzusehen, musste den Eindruck gewinnen, etwas völlig Neues habe die gesellschaftliche Arena betreten. Eine bahnbrechende Entwicklung der Wissenschaft, die Entzifferung des menschlichen Genoms, habe soeben stattgefunden und nun versuchten die Medien tapfer, einer erstaunten Laien-Öffentlichkeit zunächst zu erklären, worum es sich dabei handelt, um schließlich die daraus entstehenden politischen Anforderungen zu vermitteln. Zwar sind der Wissenschaft in den letzten Jahren tatsächlich bahnbrechende neue Entdeckungen gelungen, neu jedoch ist das Thema „Genetik und ihre gesellschaftlichen Folgen“ deshalb mitnichten. Lebhafte Diskussionen gab es bereits in den 80er und 90er Jahren, aber lange nicht einen derartigen drive in der Berichterstattung, wie er gegenwärtig der wissenschaftlichen Entwicklung widerfährt. Nicht jeder Durchbruch in der Grundlagenforschung – wie es die Entzifferung des menschlichen Genoms ist – findet seinen Weg von den Wissenschaftsseiten auf das Titelblatt (oder gar ins Feuilleton) der Zeitungen. Dass die Biowissenschaft einen solchen Schub an öffentlicher Wahrnehmung erfuhr, dazu mussten weitere Faktoren hinzukommen.

Sie haben etwa 5% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 95% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (2.00€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Indoktrination und Militarismus

von Irina Rastorgujewa

Am Morgen des 24. März hängten unbekannte Aktivisten eine Schaufensterpuppe, die die antike römische Göttin Minerva darstellt, am Denkmal des Grafen Uwarow in der Nähe des Hauptgebäudes der Staatlichen Universität St. Petersburg auf. In der Hand der antiken Schutzherrin der Wissenschaften befand sich ein Zettel mit der Aufschrift „Die Wissenschaft ist tot“.