Ausgabe April 2002

Reflexe und Ignoranzen

Politische Reaktionen auf die Pisa-Studie

Gelassenheit gehört nicht zu den Tugenden der Deutschen, zumindest dann nicht, wenn sich Aussitzen nicht auszahlt. Seit über einem halben Jahr sickerten die Ergebnisse des "Programme for International Student Assessment" 1), kurz Pisa genannt, bei Bildungsforschern und Kultusministerien durch: Auch dieser RundumTest der 15jährigen in 32 Ländern der OECD bescheinigte den Deutschen ein beunruhigendes Mittelmaß bei den Leistungen und ein Schulsystem, das in extrem hohem Maße nach der sozialen Herkunft selektiert. Wer arm ist an kulturellen und materiellen Gütern, hat es bis heute vier Mal schwerer, eine "Bildungskarriere" im Gymnasium zu machen, als ein Kind aus der kulturellen und sozialen Oberschicht.

Überrascht haben die ersten Pisa-Signale nicht, denn die Testserien der letzten vier Jahre, die die Schulen unter Druck gesetzt haben, wiesen trotz der netten Namen wie Iglu, Markus, Lau, Biju, Quasum oder Timss in die gleiche Richtung: In der Grundschule finden Weichenstellungen und soziale Auslesemechanismen statt, die die weiterführenden Schulsysteme kaum noch ausgleichen (können/wollen). Und: Das Interesse der Schülerinnen und Schüler am Lesen, an der Mathematik oder an naturwissenschaftlichen Fächern wie Physik und Chemie ist gering, die Leistungen spiegeln das Desinteresse wider.

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