Ausgabe September 2002

Der Sudan nach Machakos

Am 20. Juli 2002 unterzeichneten die sudanesische Regierung und die südsudanesische Guerilla Sudan People's Liberation Movement/Army (SPLM/A) nach fünfwöchigen Verhandlungen das nach dem kenianischen Verhandlungsort benannte Machakos-Protokoll. Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, die US-Regierung, die Europäische Union und viele andere begrüßten das Ergebnis auf geradezu überschwängliche Weise. In den Medien und in offiziellen Stellungnahmen war sogar von einem Friedensvertrag die Rede. Doch worum geht es bei dem Machakos-Protokoll? Bietet es tatsächlich ernst zu nehmende Aussichten auf Frieden? Der südsudanesische Anwalt und Politiker Abel Alier veröffentlichte vor einigen Jahren ein Buch mit dem Titel "Too Many Agreements Dishonored". Darin zeichnet er die schier endlose Folge von unterschriebenen, aber nie erfüllten Friedensverträgen im Sudankonflikt nach.

Seit der Unabhängigkeit des Landes 1956 hat die Bevölkerung des südlichen Teils, der vorwiegend von einer afrikanischen, nicht islamischen Bevölkerung besiedelt ist, nur elf Jahre relativen Friedens erlebt. Ein 1972 in Addis Abeba unterzeichnetes Friedensabkommen hielt nur bis 1983.

Sie haben etwa 10% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 90% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Südsudan: Krieg im Patronagestaat

von Simone Schlindwein

Seit nunmehr drei Jahren tobt im Sudan ein brutaler Krieg zwischen dem sudanesischen Militär SAF und der paramilitärischen Miliz RSF mit ihren rivalisierenden Anführern General Abdelfatah al Burhan und General Mohammed Hamdan Daglo; mehre Millionen Menschen wurden seither innerhalb des eigenen Landes und in Nachbarländer vertrieben, Hunderttausende getötet.