Ausgabe November 2002

NATO: Einer für alle oder alle für einen?

Im November 2002 wird der Prager NATO-Gipfel über die nächste Erweiterung der Organisation entscheiden. Zehn Länder haben sich beworben, und alles sieht nach einem "Big Bang" aus. Vermutlich werden nur die instabilen Kandidaten Mazedonien und Albanien, möglicherweise auch Kroatien, das Nachsehen haben. Es ist davon auszugehen, dass die baltischen Staaten, Slowenien, die Slowakei, Bulgarien und Rumänien so genannte Einladungen erhalten. Während 1990 der damalige US-Außenminister Moskau zugesichert hatte, dass die NATO sich nicht über Ostdeutschland hinaus ausdehnen werde, und die erste Erweiterungsrunde vor allem in Russland Widerstand hervorrief, wird der bevorstehende Mitgliederzuwachs als fait accompli ohne ernsthafte Bündnisdebatte behandelt. Nicht Russlands Psychosen, die Nationalismen in Südosteuropa oder die sicherheitspolitischen Ambitionen der EU sind derzeit das beherrschende Thema, sondern die Frage, ob es zum eigenen Vorteil gereicht, in einer Pax Americana zu leben. Die künftige Rolle der NATO und die Effekte der Erweiterung sind zum Unterthema der Debatte geworden.

Putins Lernfähigkeit

Vor der ersten Erweiterung hatten sich Kritiker noch vor den fahrenden NATOZug geworfen.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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