Ausgabe Februar 2003

Mit 40 zum alten Eisen

Der Jugendkult in der Arbeitswelt

„Wenn jemand über 50 ist, dann sind die 30jährigen schon am Trampeln: Wann geht der endlich mal nach Hause?“ Im typischen Ruhrgebiets-Jargon schildert der Ex-Stahlkocher Günter Orbach seine Erfahrungen. Viele ältere Arbeitnehmer spüren diesen enormen psychologischen Druck, ihre Stelle aufzugeben. Sich nicht frühzeitig ins Rentnerdasein zu verabschieden, gilt fast als unsolidarisch. Unterschwellige Spannungen zwischen den Generationen prägen das Klima in vielen Betrieben. Immer drängender sehen sich Unwillige mit der Aufforderung konfrontiert, ihren Platz zu räumen. Am Ende werden sie manchmal regelrecht aus den Unternehmen gemobbt. „Wer sagte, das ist eine Sauerei, wir sind doch noch viel zu jung, der wurde gleich abgestempelt“, erinnert sich Orbachs früherer Kollege Manfred Schulte: „Dann hieß es: Du nimmst einem Jungen den Job weg!“

Wie freiwillig gehen Mitarbeiter in die Altersteilzeit? Die Regelung, die seit Mitte der 90er Jahre den alten Vorruhestand abgelöst hat, läuft faktisch auf die flächendeckende Frühverrentung von 57jährigen hinaus. Business as usual: Nach wie vor bauen Firmen auf Kosten der Sozialkassen ihr Personal ab – oft mit Zustimmung der Betriebsräte. Das von allen Beteiligten vorgebrachte moralische Argument, auf diese Weise werde Platz für Jüngere freigemacht, ist wenig glaubwürdig.

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Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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