Ausgabe September 2003

Der Iran nach Khatami

Als nach dem 11. September 2001 George W. Bush seine These von der "Achse des Bösen" propagierte, da schöpften paradoxerweise die Menschen im Iran Hoffnung: Vielleicht würden ja die Amerikaner tatsächlich das Regime, das sie seit fast 25 Jahren drangsaliert, beseitigen. Bestätigt sahen sich die Gegner der Diktatur, als kurz darauf die alliierten Truppen die Taliban in Afghanistan stürzten. Andere reformorientierte Iraner setzten jedoch zunächst weiter auf ihren machtlosen Präsidenten Khatami

Als jedoch die USA Anfang dieses Jahres in den Irak einrückten, schlug die Stimmung gänzlich um: Nun standen 250 000 GIs im Nachbarland und vertrieben einen brutalen Diktator, der den Iranern seit dem achtjährigen iranisch- irakischen Krieg (1980-1988) ebenso verhasst war wie ihr eigenes Regime. Die iranische Opposition, die inzwischen längst den Glauben an Khatami verloren hatte, sah auch die Mullahs wanken. War es bei der letzten großen Protestwelle vor vier Jahren noch darum gegangen, die "Reformer" zu stützen, so forderten die Demonstranten jetzt: "Khatami, Khatami, Rücktritt." Inzwischen steht nicht mehr Reform auf der Tagesordnung, sondern der radikale Systemwechsel. Zuerst begann es an den Universitäten zu brodeln.

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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