Ausgabe Oktober 2004

Korruption aus ökonomischer Sicht

Korruption - landläufig als Missbrauch öffentlicher Mittel für private Zwecke definiert - hat es zu allen Zeiten in allen politischen Systemen gegeben. Gesellschaftlicher Schaden entsteht bei Korruption nicht durch die Höhe der bezahlten Bestechungsgelder; diese stellen nur eine Umverteilung von Ressourcen dar. Schaden entsteht dadurch, dass wichtige Entscheidungen verzerrt werden: Öffentliche Investitionen werden nicht im Interesse der Gesellschaft gelenkt, korrupte Beamte verlangsamen unter Umständen ihr Arbeitstempo, damit die Bezahlung von Beschleunigungsgeldern umso notwendiger wird etc. Den Schaden tragen die Steuerzahler - aber sie merken es nicht.

Wissenschaftlich untersucht wurde das Phänomen Korruption in den vergangenen Jahrzehnten vor allen von Vertretern der juristischen Fakultäten, weniger von Ökonomen. Seit etwa einem Jahrzehnt haben sich nun die Ökonomen verstärkt mit Korruption, ihren Ursachen und Folgen beschäftigt. Ein Beleg dafür ist, dass neben Ranglisten olympischer Medaillen auch solche der Korruptionsintensität in einzelnen Ländern in der Öffentlichkeit erscheinen.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat vor wenigen Wochen einen Sammelband herausgegeben, in dem zwölf Autoren ihre Forschungen zu diesem Gegenstand vorstellen.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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