Ausgabe Oktober 2005

Vorwärts in den Steuersenkungsstaat ?

Nach dem Ende von Rot-Grün und nur wenige Jahre nach der „größten Steuerreform der bundesdeutschen Geschichte“ (Gerhard Schröder) scheint das Land wieder reif für eine große Steuerreform. Im Wahlkampf jedenfalls wurde die Erneuerung des Steuersystems schier zur Schicksalsfrage des Landes ausgerufen. Paul Kirchhofs „Vision“ einer Einheitssteuer („flat tax“) ohne progressive Steuersätze erhitzte die Gemüter mehr als irgendein anderes Thema.

Tatsächlich hinterlässt Rot-Grün auch aus progressiver Sicht finanz- und steuerpolitisch einen Berg von Problemen. Die öffentlichen Finanzen zeichnen sich im internationalen Vergleich durch relativ niedrige Steuereinnahmen und eine hohe Belastung des Faktors Arbeit mit Sozialabgaben aus. Nimmt man die Belastung durch Steuern und Abgaben zusammen,1 so findet sich die Bundesrepublik im Mittelfeld der Industrieländer wieder.

Die gezahlten Steuern waren zwischen 1970 und 2000 im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt mit etwa 23 Prozent erstaunlich konstant. Erst durch die rot-grüne Steuerreform sank die Steuerlast erheblich, nämlich auf nur noch 20,1 Prozent (2004).

Dagegen wuchsen die Sozialabgaben in den vergangenen Jahrzehnten dramatisch.

Sie haben etwa 3% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 97% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Weitere Artikel zum Thema

Fossilistischer Kolonialismus

von Friederike Otto

Die Erderhitzung vernichtet schon heute weltweit die Lebensgrundlagen vieler Menschen – allen voran jener, die ohnehin benachteiligt sind. Wir müssen die Klimakrise auch als Gerechtigkeitskrise begreifen – und die ihr zugrundeliegenden Machtstrukturen transformieren.

Globales Elend und die Diktatur der Superreichen

von Ute Scheub

Sie düsen in Privatjets um die Welt, um Immobilien und Konzernketten an sich zu reißen. Sie kaufen ganze Landschaften und Inseln, um sich dort im größten Luxus abzukapseln. Sie übernehmen Massenmedien, um sich selbst zu verherrlichen und gegen Arme und Geflüchtete zu hetzen.