Ausgabe Januar 2006

Vom langen Marsch zum großen Sprung?

China zwischen Rekordwachstum und Massenarmut

„Bereichert Euch!“ – mit dieser Losung eröffnete Deng Xiaoping im Dezember 1978 eine neue Ära. Seit die Kommunistische Partei Chinas mit ihren Reformbeschlüssen auf dem 3. Plenum des XI. Zentralkomitees eine historische Wende einleitete, durchläuft die chinesische Gesellschaft eine geradezu revolutionäre Umwälzung, die allerdings zunächst von der Außenwelt kaum wahrgenommen wurde.

Erst zehn Jahre später, im Juni 1989, als die Studentenproteste im Herzen Pekings gewaltsam niedergeschlagen wurden, bemerkte die Weltöffentlichkeit die Veränderungen in der Volksrepublik. Als wenige Monate später der real existierende Sozialismus in Osteuropa implodierte, erwartete man im Westen, dass auch das chinesische Regime bald zusammenbrechen würde.

Diese Erwartung sollte sich jedoch schon bald als falsch erweisen. Das Gegenteil traf zu: Das KP-Regime erholte sich überraschend schnell von der schweren Legitimationskrise, indem es einerseits die Repression gegen Oppositionelle verstärkte und andererseits zugleich die marktorientierten Reformen beschleunigte. Bereits 1992 sprach Deng Xiaoping von Chinas „sozialistischer Marktwirtschaft“.

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