Ausgabe Mai 2006

Heuschrecken vor der Wohnungstür

Wer hierzulande über hohe Wohnkosten klagt, der hat meist die Zeichen der Zeit nicht erkannt. Denn die Mieten sind ziemlich niedrig in Deutschland – so zumindest befinden bestimmte Experten. Manche Mieter in München, Düsseldorf oder Köln mögen das wohl anders sehen. Doch Deutsche geben einen deutlich kleineren Teil ihres Einkommens fürs Wohnen aus als Franzosen oder Amerikaner. Und was man in London noch für die schäbigste Kemenate hinzublättern hat, das bewegt sich außerhalb unserer Phantasie. In den USA brächten Wohnungen eine Rendite um zwölf Prozent, erklären uns Finanzmarktprofis, in der Bundesrepublik mit vier bis fünf Prozent nicht einmal halb so viel.

Diesen Missstand will man jetzt ändern und die anderswo mit Wohnungen erreichbaren Gewinnraten auch hierzulande durchsetzen. Das Instrument dazu soll ein neues Konstrukt auf die Verwertung von Immobilien spezialisierter, steuerlich privilegierter Aktiengesellschaften sein – die „Real Estate Investment Trusts“, abgekürzt REITs. Der Monsterbegriff steht im schwarzroten Koalitionsvertrag; um eine Übersetzung ins Deutsche hat man sich nicht bemüht. Dieser neue Typ von Immobilienfirmen soll an die Börse und trotzdem steuerfrei gestellt werden, befreit von Körperschafts- und Gewerbesteuern. Der Gewinn wird jeweils zu über 90 Prozent an die Aktionäre ausgeschüttet. Das ist delikat.

Cover Mai 2006

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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