Ausgabe Mai 2006

Heuschrecken vor der Wohnungstür

Wer hierzulande über hohe Wohnkosten klagt, der hat meist die Zeichen der Zeit nicht erkannt. Denn die Mieten sind ziemlich niedrig in Deutschland – so zumindest befinden bestimmte Experten. Manche Mieter in München, Düsseldorf oder Köln mögen das wohl anders sehen. Doch Deutsche geben einen deutlich kleineren Teil ihres Einkommens fürs Wohnen aus als Franzosen oder Amerikaner. Und was man in London noch für die schäbigste Kemenate hinzublättern hat, das bewegt sich außerhalb unserer Phantasie. In den USA brächten Wohnungen eine Rendite um zwölf Prozent, erklären uns Finanzmarktprofis, in der Bundesrepublik mit vier bis fünf Prozent nicht einmal halb so viel.

Diesen Missstand will man jetzt ändern und die anderswo mit Wohnungen erreichbaren Gewinnraten auch hierzulande durchsetzen. Das Instrument dazu soll ein neues Konstrukt auf die Verwertung von Immobilien spezialisierter, steuerlich privilegierter Aktiengesellschaften sein – die „Real Estate Investment Trusts“, abgekürzt REITs. Der Monsterbegriff steht im schwarzroten Koalitionsvertrag; um eine Übersetzung ins Deutsche hat man sich nicht bemüht. Dieser neue Typ von Immobilienfirmen soll an die Börse und trotzdem steuerfrei gestellt werden, befreit von Körperschafts- und Gewerbesteuern. Der Gewinn wird jeweils zu über 90 Prozent an die Aktionäre ausgeschüttet. Das ist delikat.

Cover Mai 2006

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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