Ausgabe November 2006

Geschäftsmodelle im Web 2.0

Seit einer im Jahr 2004 vom kalifornischen Trendforscher Tim O’Reilly organisierten Konferenz ist das dort kreierte buzzword „Web 2.0“ in aller Munde – und soll signalisieren, dass nach dem Platzen der Dotcom-Blase Ende 2001 und dem abrupten Zusammenbruch des ersten Hypes in den vergangenen Jahren neue Bewegung in die Nutzung und Kommerzialisierung des Internet gekommen ist.

Das neue Logo ist – zieht man die naive Euphorie ab, die mit derartigen Begriffsbildungen immer einhergeht – keineswegs völlig substanzlos. In sozialer Hinsicht wird damit der Übergang von der lokalen Datenhaltung auf dem PC und der vornehmlichen Nutzung des Internet als Medium zur Informationsbeschaffung hin zur Auslagerung von persönlichen Profilen und Vorlieben, Tagebüchern, Bildern, Videos oder Textbeiträgen ins Netz betont. Die ausgelagerten Daten können dort nicht nur deponiert, sondern auch zusammengelegt, vernetzt, gezielt gesucht, kommentiert und bewertet werden. Ermöglicht werden derartige interaktive Angebote – dies ist der ökonomische Gehalt des Web 2.0 – durch neue, zumeist von einzelnen Personen gegründete Internetunternehmen, die entsprechende Dienste bereitstellen, sowie durch die bemerkenswerte Bereitschaft der überwiegend jugendlichen Nutzer, in großem Umfang persönliche Informationen freizugeben, die von jedem abgerufen werden können.

Dies sind längst keine Randerscheinungen mehr.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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