Ausgabe November 2006

Geschäftsmodelle im Web 2.0

Seit einer im Jahr 2004 vom kalifornischen Trendforscher Tim O’Reilly organisierten Konferenz ist das dort kreierte buzzword „Web 2.0“ in aller Munde – und soll signalisieren, dass nach dem Platzen der Dotcom-Blase Ende 2001 und dem abrupten Zusammenbruch des ersten Hypes in den vergangenen Jahren neue Bewegung in die Nutzung und Kommerzialisierung des Internet gekommen ist.

Das neue Logo ist – zieht man die naive Euphorie ab, die mit derartigen Begriffsbildungen immer einhergeht – keineswegs völlig substanzlos. In sozialer Hinsicht wird damit der Übergang von der lokalen Datenhaltung auf dem PC und der vornehmlichen Nutzung des Internet als Medium zur Informationsbeschaffung hin zur Auslagerung von persönlichen Profilen und Vorlieben, Tagebüchern, Bildern, Videos oder Textbeiträgen ins Netz betont. Die ausgelagerten Daten können dort nicht nur deponiert, sondern auch zusammengelegt, vernetzt, gezielt gesucht, kommentiert und bewertet werden. Ermöglicht werden derartige interaktive Angebote – dies ist der ökonomische Gehalt des Web 2.0 – durch neue, zumeist von einzelnen Personen gegründete Internetunternehmen, die entsprechende Dienste bereitstellen, sowie durch die bemerkenswerte Bereitschaft der überwiegend jugendlichen Nutzer, in großem Umfang persönliche Informationen freizugeben, die von jedem abgerufen werden können.

Dies sind längst keine Randerscheinungen mehr.

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Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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