Ausgabe Juni 2007

Frankreich vor der konservativen Revolution

Das gröbere Übel hat also gewonnen. Doch das war abzusehen, ein Zufall ist es keineswegs. Es ist Nicolas Sarkozy erfolgreich gelungen, als Kandidat der Dynamik und der Bewegung zu erscheinen – auch in den Augen vieler Menschen aus den sozial schwächeren Schichten. Demgegenüber erschien das Bündnis der „Mitte“ aus rechten Sozialund gemäßigten Christdemokraten, aus Ségolène Royal und François Bayrou, das sich in den letzten Wochen herauszuschälen begann,1 als Partei des Konservatismus, des Weiter-So. So konnte es in den Wochen vor der Wahl durchaus passieren, auf einer Party den einzigen „Proleten“ und Schwarzen unter den Gästen sagen zu hören, er wähle Sarkozy, weil der zumindest „was bewegen“ wolle – während die „Gauche Caviar“, die Schicki-Micki-Linke, bis zum Ende auf Royal oder Bayrou abonniert war.

Tatsächlich hat Sarkozy reale Umwälzungen angekündigt. Und im Gegensatz zu den Vagheiten im Wahlkampf Ségolène Royals darf man wohl auch darauf vertrauen, dass Sarkozy seine Worte in die Tat umsetzen will. Er wird versuchen, alle oder jedenfalls viele seiner „Versprechungen“ wahr zu machen. Die französische Gesellschaft wird in fünf Jahren anders aussehen als heute.

Sie haben etwa 9% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 91% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Alternativen zum Geist der Ausbeutung

von Mariana Mazzucato

Während das Weltwirtschaftsforum in Davos unter dem Motto »A Spirit of Dialogue« (Ein Geist des Dialogs) tagt, haben die USA die Kontrolle über die Ölinfrastruktur Venezuelas übernommen und eine »unbefristete« amerikanische Verwaltung der Erdölreserven des Landes eingerichtet.