Ausgabe August 2007

Wenn Arbeit arm macht

Der Niedriglohnsektor als Boombranche

Kein innenpolitisches Thema, das haben die letzten Wochen und Monate bewiesen, ist derzeit so umstritten – und damit auch so wahlkampftauglich – wie der Mindestlohn. Und trotz der Mangelhaftigkeit des erreichten Minimalkompromisses hat der bisherige politische Schlagabtausch immerhin zweierlei gezeigt: Zum einen, dass der staatlich subventionierte Niedriglohnsektor vom bundesdeutschen Arbeitsmarkt nicht mehr wegzudenken ist, und zum anderen, dass seine Auswüchse umfassend politisch reguliert werden müssen, wenn die zunehmenden Spaltungen auf dem Arbeitsmarkt tatsächlich beseitigt werden sollen.

Seit Mitte der 90er Jahre wächst der Niedriglohnsektor beständig. Ein Wachstumsmotor der besonderen Art war dabei die Hartz-Gesetzgebung durch die rot-grüne Bundesregierung – als wesentlicher Bestandteil des groß angelegten Versuchs, den Arbeitsmarkt zu flexibilisieren. Die Neuregelung der geringfügigen Beschäftigungsverhältnisse getreu dem Motto „Sozial ist, was Arbeit schafft“ machte den Anfang und spiegelte den längst vollzogenen Stimmungswandel hin zu neoklassischen Positionen wider. Die Einführung und Ausweitung atypischer Beschäftigungsverhältnisse als arbeitsmarktpolitisches Instrument setzte dann, wenn auch in kodifizierter Form, den anhaltenden Trend zum Ausbau des Niedriglohnsektors fort.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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