Ausgabe März 2008

Das Putin-Regime

Die russische Geschichte des vergangenen Jahrhunderts wurde durch die Parteipublizisten in die „Periode des Personenkults“, die „Epoche der Stagnation“, die „Zeit der Perestrojka“ und die „Reformperiode“ unterteilt. Im Grunde verbergen sich hinter diesen Bezeichnungen die Stalin-, Breschnew-, Gorbatschow- und Jelzin-Ära. Wie aber wird eines Tages die Putin-Ära heißen, die mit der kommenden Wahl des neuen Präsidenten Medwedew noch lange nicht zu Ende gehen wird? Bisher wurde zu ihrer Charakterisierung keine umfassende Metapher gefunden. Ich werde sie deshalb als das „Regime der Putin-Ära“ bezeichnen – ohne in diese Worte überflüssige Emotionen zu legen. Auch wenn das Wort „Regime“ in der Regel negativ gefärbt ist, bedeutet es im strengen Sinn die gegebene Herrschaftsform eines Staates und nicht mehr.

Obwohl ich kein Befürworter der in Russland herrschenden Ordnung bin, denke ich dennoch, dass die politisch-wirtschaftliche Konstruktion, die in den Jahren der Regierung Putin aufgebaut wurde, ziemlich fest und widerstandsfähig gegenüber „äußeren Bedrohungen“ ist. Das Putin-Regime scheint in der Lage zu sein, jeder Kritik von außerhalb und jeder Massenbewegung innerhalb der Staatsgrenzen standzuhalten.

Sie haben etwa 5% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 95% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Holger Friedrich und die OAZ: Wie ein Verleger Demokratiefeinde hofiert

von Matthias Meisner

Auf dem deutschen Medienmarkt gibt es seit Ende Februar eine neue Zeitung. Das ist angesichts der andauernden Krise der Printmedien bemerkenswert. Doch über die »Ostdeutsche Allgemeine Zeitung« gibt es noch weit mehr zu sagen.