Ausgabe März 2008

Die ökologische Zweiklassengesellschaft

Angesichts der Verschärfung ökologischer Probleme, allen voran der voranschreitende Klimawandel, appellieren deutsche Umweltverbände immer eindringlicher auch an jeden einzelnen Bürger, seine Verhaltens- und Konsumweisen zu überdenken. Tipps zum Kauf und Bezug von umweltverträglichen Produkten und Dienstleistungen haben Hochkonjunktur, weil damit, so die berechtigte Hoffnung, ein notwendiger und sinnvoller Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung in diesem Land geleistet werden kann. Nach dem Motto: „Wir haben es in der Hand, welche Welt wir unseren Kindern hinterlassen“, wird der Einzelne in die ökologische Verantwortung genommen.

Es bleibt jedoch die Frage, welchen Bürgerinnen und Bürgern es überhaupt möglich ist, ihre Wohnungen energetisch nachzurüsten, Bio-Lebensmittel zu kaufen oder sich Energie sparende Elektrogeräte anzuschaffen? Wer ist wie stark davon betroffen, wenn beispielsweise die Pegel der Elbe steigen, wer vermag sich in welchem Umfang vor solchen Extremwetterereignissen zu schützen und in seinem Umweltverhalten anzupassen? Kurz: Wo werden Umweltprobleme auch zu Fragen der Gerechtigkeit?

Spätestens seit Beginn der Nachhaltigkeitsdebatte beginnen auch die Umweltverbände, sich nicht länger allein mit der Frage der Reduktion von Umweltbelastungen zu befassen, sondern auch damit, wie dies sozial gerecht geschehen kann.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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