Ausgabe April 2008

Feminismus eingestellt

Während Medien aller Couleur derzeit über das Jubiläumsjahr 1968 berichten, befinden sich die letzten der aus der Außerparlamentarischen Opposition hervorgegangenen Zeitschriften im Niedergang. So fristet das „Kursbuch“, einst das Theorieorgan der APO, unter der Ägide des „Zeit“-Verlags nur noch ein Schattendasein. Andere, früher wichtige Blätter sind auf mikroskopische Auflagen geschrumpft oder, wie etwa der „Freibeuter“ und die „Gewerkschaftlichen Monatshefte“, inzwischen ganz eingestellt worden.

Am 7. März ereilte dieses Schicksal nun auch die „beiträge zur feministischen theorie und praxis“. Die 1978 gegründeten „beiträge“ waren die erste und größte Zeitschrift des autonomen Flügels der Neuen Frauenbewegung. Sie entstanden zu einer Zeit, als die Wissenschaft feministische Debatten über die Geschlechterfrage noch weithin ignorierte – und die von Männern dominierte Medienlandschaft mit ätzender Kritik auf feministische Forderungen reagierte. Die Zeitschrift sollte daher ein eigenständiges Forum für Frauen sein, die in der Wissenschaft tätig waren, aber zugleich auch für Frauen aus der Bewegung.

Gerade in ihren ersten Jahren waren die „beiträge“ so etwas wie das Zentralorgan des sogenannten Bielefelder Ansatzes.

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In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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