Ausgabe Juni 2008

Spitzel-Discounter

Die Bespitzelung seiner Mitarbeiter per Kamera hat den Discounter Lidl erneut in die Schlagzeilen gebracht. Dabei prangerte schon 2004 das von Verdi veröffentlichte „Schwarzbuch Lidl“ unwürdige Arbeitsbedingungen an: Behinderung von Betriebsratswahlen, Arbeitsüberlastung bei enger Zeitvorgabe, Stress und unbezahlte Überstunden – auch für andere Discounter wie Schlecker ist Personal offenbar nicht mehr als ein ärgerlicher Kostenfaktor.

Nun wurde einer breiten Öffentlichkeit bekannt, was „Schwarzbuch“Leser zumindest schon ahnten: Video-Überwachung der Mitarbeiter, Tonaufnahmen von privaten Gesprächen, Bespitzelung bis in die Privatsphäre stehen auf der Tagesordnung in vielen Läden. Wie weit das im Einzelnen geht, bleibt den Angestellten oft selbst verborgen: Gewundert habe sie sich, erzählt die ehemalige Lidl-Mitarbeiterin Anette Brinkmann, als Ende letzten Jahres ihre Freundin aus dem Betrieb gedrängt wurde. Inoffizielle Begründung: Die beiden hätten zu engen Kontakt. Dabei haben die beiden Kolleginnen im Laden nie privat gesprochen, sondern nur alleine, wenn sie hinten im Personalraum waren. Jetzt erst wird ihr klar, dass auch ihre Filiale bespitzelt wurde.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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