Kurz nach seinem 65. Geburtstag im November 2008 hat „Renten-Pabst“ Bert Rürup, zu dieser Zeit noch amtierender Vorsitzender des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung und des Sozialbeirats für die Rentenversicherung, die Katze aus dem Sack gelassen: Er gibt seine vielfältigen Ämter als Regierungsberater und Universitätsprofessor ab und arbeitet ab April 2009 exklusiv für das Finanzdienstleistungsunternehmen AWD. Der Hannoveraner Strukturvertrieb, welcher mittlerweile fast zu 100 Prozent dem Versicherungskonzern „Swiss Life“ gehört, sich aber in Anzeigen und TV-Spots immer noch als ein „unabhängiger Finanzdienstleister“ präsentiert, erwirtschaftet nach eigenen Angaben mittlerweile rund 75 Prozent seiner Umsätze mit „Produkten“ zur Altersvorsorge. Laut Pressemitteilung wird Rürup bei AWD Chefökonom, genauer gesagt: „Sonderberater für private und betriebliche Altersvorsorge sowie für Marktvalidierung von Zukunftsmärkten“.1 Als neues AWD-Mitglied wurde Rürup übrigens von einem alten Bekannten vorgestellt, nämlich von Gerhard Schröders ehemaligem Regierungssprecher Béla Anda, der nach dem vorzeitigen Ende der rot-grünen Regierungszeit bei AWD als „Chief Communication Officer“ für die Ressorts Presse, Marketing und Sponsoring untergekommen ist.
In der Januar-Ausgabe skizziert der Journalist David Brooks, wie die so dringend nötige Massenbewegung gegen den Trumpismus entstehen könnte. Der Politikwissenschaftler Philipp Lepenies erörtert, ob die Demokratie in den USA in ihrem 250. Jubiläumsjahr noch gesichert ist – und wie sie in Deutschland geschützt werden kann. Der Politikwissenschaftler Sven Altenburger beleuchtet die aktuelle Debatte um die Wehrpflicht – und deren bürgerlich-demokratische Grundlagen. Der Sinologe Lucas Brang analysiert Pekings neue Friedensdiplomatie und erörtert, welche Antwort Europa darauf finden sollte. Die Journalistinnen Susanne Götze und Annika Joeres erläutern, warum die Abhängigkeit von Öl und Gas Europas Sicherheit gefährdet und wie wir ihr entkommen. Der Medienwissenschaftler Roberto Simanowski erklärt, wie wir im Umgang mit Künstlicher Intelligenz unsere Fähigkeit zum kritischen Denken bewahren können. Und die Soziologin Judith Kohlenberger plädiert für eine »Politik der Empathie« – als ein Schlüssel zur Bekämpfung autoritärer, illiberaler Tendenzen in unserer Gesellschaft.