Ausgabe Juni 2009

Erinnerungen an die Anfänge und eine späte Antwort auf einen fast vergessenen Brief

Theorie und Praxis: Jürgen Habermas zum 80.

Ich war einer der ersten Studenten von Jürgen Habermas, nachdem er seine Lehrtätigkeit in Heidelberg, ich glaube es war 1961, aufgenommen hatte, und ich werde nie vergessen, wie er durch seine intellektuelle Präsenz, mit der er in Vorlesungen und Seminaren neue Denkräume eröffnete, mich und wohl die meisten seiner damaligen Studenten in seinen Bann zog. In Habermas’ Vorlesungen, so gut vorbereitet sie auch immer waren, hatte man den Eindruck, ihm beim Denken zuzuschauen, Philosophie lebendig werden zu sehen, eine Philosophie, die alles bloß Akademische abgestreift hatte und deren Zeitkern, ihre existenzielle und lebenspraktische Bedeutsamkeit, noch in den komplexesten Argumentationszusammenhängen stets sinnfällig blieb. Ich hatte bereits ein ausschweifendes Studium hinter mir, das über Ausflüge in die Kirchenmusik und die Medizin schließlich zu einem Abschluss in Mathematik und Physik geführt hatte. Die Mathematik hatte mich fasziniert, aber mein Bedürfnis nach intellektueller Orientierung in lebenspraktischen Fragen nicht befriedigt, und so war ich mit einem Stipendium für ein Zweitstudium in Philosophie nach Heidelberg gekommen.

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In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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