Ausgabe März 1990

Mehr Umweltschutz reicht nicht

Umrisse eines sozialökologischen Umbaukonzepts für die Bundesrepublik

I

Auf ihrem Berliner Bundesparteitag nahm die SPD wichtige programmatische Kurskorrekturen vor, deren Tragweite angesichts der beherrschenden Debatte deutschlandpolitischer Themen noch kaum erkannt ist. Das neue Parteiprogramm nimmt endgültig Abschied von mechanistischen Entwicklungs-(Transformations-)strategien, die lange Zeit für die Arbeiterbewegung in unterschiedlichen Varianten prägend waren und auch noch sind. Die Beschlüsse von Berlin haben mittel- und langfristige Bedeutung, weil es zumindest in Westeuropa ein unübersehbares Vakuum an reformpolitischen Strategien zum Umbau der Gesellschaft gibt und in Osteuropa erst seit kurzer Zeit eine Politik der Umgestaltung gesucht wird, was unter dem Druck innerer und äußerer Faktoren (Wirtschaftskrise, Nationalitätenproblem, politische Machtverschiebungen) dem Durchschlagen des gordischen Knotens gleichkommt. - Die westlichen Industriestaaten stehen unter einer verschärften Weltmarktkonkurrenz mit dem Bestreben der einzelnen Industrieregionen und Kapitalgruppen, eine technisch-ökonomische Dominanz zu verwirklichen. Diese Modernisierung kapitalistischer Produktionskonzepte wird "abgesichert" von ökologischen Alibikonzepten. - In Osteuropa bricht seit Anfang der 80er Jahre ein machtstrategisches, zentralistisches Modell sozialistischer Politik zusammen, das Ökonomie und Gesellschaft wie eine zentral zu lenkende Maschine verstanden hat.

März 1990

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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