Ausgabe August 1990

Tiefsinn als Comic

Kurosawas Träume

Regen fällt durch die Sonnenstrahlen und die Füchse feiern, gemäß der Legende, Hochzeit. Der kleine Junge verläßt gegen das Verbot der Mutter das Elternhaus und schaut heimlich zu.

Damit hat er sich versündigt. Eine geheimnisvolle Botschaft führt ihn zum Fuß des Regenbogens in einer blumenübersäten Wiese, und schon die Farben signalisieren, daß er Vergebung finden wird.

Aber die Tür, die in die Geborgenheit führt, bleibt für immer verschlossen. Von seinen Richtern erhält er die Gnade zugestanden, ein letztes Mal die Blüten der gefällten Pfirsischbäume sehen zu dürfen. Da läßt er sich durch ein schönes Mädchen ablenken und vor ihm stehen anklagend nur noch kahle Äste. Theaterhafte und zugleich naturtrunkene Bilder evozieren geheimnisvolle Legenden des alten Japan. Erbauliche Geschichten werden erzählt, in denen die Verstrickung märchenhaft unausweichlich und der Schuldspruch lakonisch ist. Da die Gegenspieler des Kindes marionettenhafte Repräsentanten einer abstrakt bleibenden Autorität sind, gibt es statt einer Handlung nur ein Zeremoniell, statt der Moral nur eine religiös-unhinterfragbare Belehrung, deren einfache Philosophie jede Assoziation erlaubt.

Im Schneesturm haben sich vier Bergsteiger verirrt, ihr Anführer hat Mühe, sie vom Aufgeben abzuhalten.

August 1990

Sie haben etwa 33% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 67% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Januar 2026

In der Januar-Ausgabe skizziert der Journalist David Brooks, wie die so dringend nötige Massenbewegung gegen den Trumpismus entstehen könnte. Der Politikwissenschaftler Philipp Lepenies erörtert, ob die Demokratie in den USA in ihrem 250. Jubiläumsjahr noch gesichert ist – und wie sie in Deutschland geschützt werden kann. Der Politikwissenschaftler Sven Altenburger beleuchtet die aktuelle Debatte um die Wehrpflicht – und deren bürgerlich-demokratische Grundlagen. Der Sinologe Lucas Brang analysiert Pekings neue Friedensdiplomatie und erörtert, welche Antwort Europa darauf finden sollte. Die Journalistinnen Susanne Götze und Annika Joeres erläutern, warum die Abhängigkeit von Öl und Gas Europas Sicherheit gefährdet und wie wir ihr entkommen. Der Medienwissenschaftler Roberto Simanowski erklärt, wie wir im Umgang mit Künstlicher Intelligenz unsere Fähigkeit zum kritischen Denken bewahren können. Und die Soziologin Judith Kohlenberger plädiert für eine »Politik der Empathie« – als ein Schlüssel zur Bekämpfung autoritärer, illiberaler Tendenzen in unserer Gesellschaft.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Fortschrittsfalle KI

von Roberto Simanowski

Unbemerkt von den meisten, verschiebt sich die Macht vom Menschen zur Maschine. Erste Studien bezeugen: Der Mensch wird dümmer durch KI. Je mehr er sie als Hilfsmittel nutzt, umso geringer seine kognitive Aktivität und schließlich seine Fähigkeit zum kritischen Denken.

Immer jünger, immer rechter: Teenager mit Baseballschlägern

von David Begrich

Ihre Haare sind kurz, gescheitelt und streng gekämmt. Sie zeigen den White Power- oder gar den Hitlergruß. Ist der Aufschwung der rechtsextremen Jugendszene wirklich etwas Neues – oder nur eine Fortsetzung neonazistischer Gewalt?