Ausgabe März 1991

Der Krieg der Scheinheiligen

Seid verflucht alle beide

I

Du sollst keine anderen Götter haben neben mir. Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht mißbrauchen; denn der Herr wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen mißbraucht.

So das erste und dritte Gebot. Beide Präsidenten, sowohl Hussein als auch Bush, haben öffentlich Allah/Gott angerufen, als sie gegeneinander in den Krieg zogen - und trieben damit den blasphemischen Zynismus in neue, ungeahnte Höhen (und dies nicht nur via Satelliten-TV, das sie beim Beten und in der Kirche zeigte). Für aufrichtig Gläubige ist es nicht leicht zu erkennen, wer von beiden der größere Heuchler ist und mehr gegen die Zehn Gebote der Heiligen Schrift und die Entsprechung in den Versen 151-155 im 6. Kapitel des Heiligen Koran verstößt. Du sollst nicht töten, Du sollst nicht stehlen, Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten, Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus, Du sollst nicht begehren deines nächsten Weib, Knecht, Magd, Rind, Esel noch alles, was dein Nächster hat. Ist es nicht besonders verwerflich, die erstgenannten Gebote zu brechen, um den Bruch des letztgenannten zu verschleiern?

II

Begehre nicht deines Nachbarn Hab und Gut noch seine Diener, sagt das 10. Gebot. Beide Präsidenten begehren Kuwaits Öl und die Kontrolle darüber. Schon am 20.

März 1991

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