Ausgabe Mai 1991

Mutmaßungen über die neue Weltordnung

Vor Jahren spottete George F. Kennan über seine amerikanischen Landsleute: denen sei das politische Geschäft, spezifische Lösungen für spezifische Probleme zu finden, einfach zu profan. Statt dessen versehe man geradezu zwanghaft politische Entscheidungen "mit einer Aura universeller Bedeutung" 1). Geändert hat sich das bis heute nicht.

Neue Weltordnung: Form ohne Inhalt oder Inhalt ohne Form?

Für Desert Shield und Storm gab es aus Washington ein Sammelsurium guter und weniger guter Begründungen: das Völkerrecht, die Sicherheit Saudi-Arabiens, der Golfanrainer und Israels, die Befreiung Kuwaits, der Hitler von Bagdad, amerikanische Arbeitsplätze, Öl. Nichts wäre falscher, als hier - etwa in Vermutung ungebrochener imperialistischer Kontinuität - Beliebigkeit zu unterstellen. Gerade das Zusammenfallen von irakischem Rechtsbruch, der den ohnehin in der Region angestauten Konfliktvorrat aufstockte, mit amerikanischen Bündnisverpflichtungen, Eigeninteressen und Obsessionen schuf jenes Motivations- und Zielgemisch, das die USA in der bekannten Form handeln ließ. Auf den umfangreichen Legitimationskatalog wurde noch eins draufgesetzt: "... die gegenwärtige Aggression bedroht nicht nur die Sicherheit einer Region, sondern die Zukunftsvision der gesamten Welt.

Mai 1991

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