Ausgabe August 1991

Vom magischen Viereck zum ökologisch-sozialen Fünfeck.

Alternativen zum Stabilitäts- und Wachstumsgesetz

Die ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Perspektiven stellen sich im vereinigten Deutschland in einer ambivalenten Weise dar: Fortschritt und Rückschritt gehen eine eigentümliche Symbiose ein.

So ist es für die Menschen in den neuen Bundesländern zweifellos mit konkreten Verbesserungen verbunden, wenn entwickelte westliche Umweltstandards eingeführt werden. Überfällige Sanierungen der im ruinösen "real existierenden Sozialismus" besonders geschundenen Umwelt sollen in Angriff genommen werden. Einzelne Schadstoffemissionen werden reduziert, indem beispielsweise die Braunkohlenutzung zugunsten des Erdgases abgebaut wird. Doch eine Dialektik des Fortschritts ist es nicht, die sich da abzeichnet.

Denn die partikulare Rationalität ökologischer Fortschritte droht neutralisiert zu werden: In rasanter Geschwindigkeit wird der Bevölkerung in der ehemaligen DDR ein expansives, emissionsträchtiges Gesamtsystem aufgepfropft. Es kommt im Gewande der bunten Warenökonomie daher und äußert sich in der Konsequenz in anschwellenden Müllawinen und ihren giftigen Dioxincocktails, in einem immer mehr Kohlendioxyd und Stickoxyd ausstoßenden Individualverkehr, in landschaftszerstörendem Straßenbau und womöglich in ökologischen Zeitbomben in Gestalt von neuen Atomkraftwerken.

August 1991

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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