Ausgabe April 1992

Zeit ohne Traum, Macht ohne Kritiker?

Angst vor der Angst

Im Märzheft der "Blätter" wandte sich Günter Gaus gegen die Geßler-Hüte in diesem Lande, denen Referenz zu erweisen der Vereinigungsgeist jedermann/frau nahelegt, um nicht die Gefahr zu riskieren, aus dem neudeutschen Konsens ausgegrenztzu werden. Gesinnungen werden wieder einmal geprüft, Nähe und Distanz zum StasiSyndrom vermessen, das längst zum Deckwort für die erheblich vielschichtigere DDR- Vergangenheit angewachsen ist. Gerhard Zwerenz beobachtete im gleichen Zusammenhang die "Pyrrhus-Siege der Bürgerbewegung", eine neue Variante auf das in Westdeutschland schon seit einigen Jahren bekannte Thema "Verlust von Opposition".

So gesehen ist die neueste Intellektuellen-Debatte streng genommen keine Kontroverse, die nur oder vorrangig die Intellektuellen beträfe. Es geht um das politische Klima insgesamt, um die Perspektiven der politischen Kultur im vereinten Deutschland, das als "Republik" zu bezeichnen immer weniger üblich zu werden scheint. - Wir veröffentlichen im folgenden zwei Beiträge von Dorothee Sölle und Gert Heidenreich. D. Red.

Endlich weiß ich, wo ich hingehöre, die taz hat es mir klargemacht, zur "Erbengemeinschaft aller geistig Getäuschten und Beleidigten". Erbengemeinschaft gefällt mir gut, und arglistig getäuscht wurde ich natürlich auch.

April 1992

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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