Ausgabe August 2026

Albanien: Mit Flamingos gegen das Establishment

Protestzug in Albaniens Hauptstadt Tirana am 10. Juni 2026 (IMAGO / Light Studio Agency)

Bild: Protestzug in Albaniens Hauptstadt Tirana am 10. Juni 2026 (IMAGO / Light Studio Agency)

Am Anfang des Protestes, der als »Flamingo-Revolution« in die Geschichte Albaniens eingehen wird, war alles noch sehr improvisiert. Das Podium, auf dem die Demonstranten am 6. Juni ihre Reden hielten, war eine dicke Baumwurzel, halb im Sand vergraben. Nacheinander stiegen Männer und Frauen unterschiedlichen Alters auf die Wurzel und sprachen in ein Megafon. An diesem Samstag war die Protestbewegung gerade eine Woche alt. Ein paar hundert Menschen waren an den Strand der Narta-Lagune gekommen, der etwa drei Stunden Autofahrt südlich der Hauptstadt Tirana liegt. Diese Lagune ist eines der letzten intakten und unverbauten Flussdeltas im Mittelmeerraum, ein Mosaik aus Dünen, Stränden, Pinienwäldern und Brackwasserteichen.1 An ihr hat sich ein Konflikt entzündet, der in dem kleinen Balkanland die größten Bürgerproteste seit dem Fall des Kommunismus ausgelöst hat. 

In der Narta-Lagune sowie auf Sazan, einer nahegelegenen Insel, soll ein milliardenschweres Luxusresort entstehen. Neu ist das Vorhaben nicht. Bereits im März 2024 stellte einer der potenziellen Investoren erste Baupläne auf die Social-Media-Plattform X.2 Der Mann, der die Pläne mit der Öffentlichkeit geteilt hat, heißt Jared Kushner, hat eine private Investmentfirma namens »Affinity Partners« gegründet – und ist der Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump. 

An Kushner wird Trumps transaktionale Art der Außenpolitik deutlich.

»Blätter«-Ausgabe 8/2026

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