Ausgabe September 2026

Schutzzölle und Ratlosigkeit: Europa und der China-Schock

Luftaufnahme des Autoterminals des Hafens von Shanghai, 7.8.2026 (IMAGO / CFOTO)

Bild: Luftaufnahme des Autoterminals des Hafens von Shanghai, 7.8.2026 (IMAGO / CFOTO)

Schon im Mai 2024 schrieb Paul Krugman, Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften, in seiner Kolumne für die »New York Times«, inzwischen sei klar, »dass sich ein zweiter China-Schock aufbaut«.1 Der sogenannte erste China-Schock bezieht sich auf die 1990er und 2000er Jahre, als Importe aus China schätzungsweise 1,5 Millionen Arbeitsplätze im verarbeitenden Gewerbe der USA verdrängten. Gravierender als die bloße Zahl der Jobverluste war, dass der relative Niedergang mehrerer Industrien in den USA aufgrund ihrer geographischen Konzentration ganze Regionen wie den Rust Belt erschütterte, vor allem durch die Krise der Autoindustrie in Detroit, der Möbelindustrie in Piedmont sowie der Stahlindustrie in Pittsburgh, Cleveland und Gary.2

Heute, mehr als zwei Jahre nach Krugmans Prognose, ist der »China-Schock 2.0« in Deutschland vielleicht nicht in aller Munde, aber der Begriff wird beinahe täglich von Politikerinnen und Industrievertretern, in Überschriften von Zeitungsberichten und Think-Tank-Analysen benutzt. Popularisiert hatte ihn nicht zuletzt eine viel beachtete Studie des Centre for European Reform (CER) und des Council on Foreign Relations (CFR) mit dem programmatischen Titel »China-Schock 2.0 – die Kosten der Selbstgefälligkeit Deutschlands«. Darin warnen CER-Chefökonom Sander Tordoir und der frühere US-Regierungsberater Brad Setser vor einer graduellen Deindustrialisierung Deutschlands.

»Blätter«-Ausgabe 9/2026

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