Ausgabe Oktober 1992

Rückkehr nach Europa?

Der Transformationsprozeß in Ostmitteleuropa am Beispiel Polen

Zurück nach Europa, das wollen sie alle. Unzählige Bücher und Aufsätze sind in den Ländern Ostmitteleuropas und des Baltikums erschienen mit der Botschaft: Auch wir sind Europa "Und gerade in Polen gibt es eine Tradition, die quasi die Kraft und den Charakter einer Ideologie hat und die Polens Platz in Europa sieht. Es ist die Tradition der Freiheitskämpfe die sowohl die kollektive Freiheit des Volkes wie die Freiheit des Individuums in Volk und Staat meinten, die Tradition der Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft auf der Basis christlicher Ethik und ergänzt durch die Vielfalt geistiger Strömungen in Europa, die Tradition des Pluralismus und der Toleranz..." (Lipski 1989, 162), so stimmte auch der Vorsitzende der neu gegründeten polnischen sozialistischen Partei (PPS), Jan J¢zef Lipski, in den Chor ein.

Es blieb immer unklar, ob die Ostmitteleuropa dominierende Macht, die Sowjetunion, überhaupt zu Europa gezählt werden könne. Die Grenzen Europas, dieses Wurmfortsatzes der asiatischen Landmasse, sind ja nie geographisch zu bestimmen gewesen. Für die Historiker war die Angelegenheit eher klar (vgl. Zernack 1977), nicht so sehr für die Ostmitteleuropäer, unter deren Intellektuellen vor noch gar nicht so langer Zeit eine Diskussion über die Zugehörigkeit Rußlands zur europäischen Kultur geführt wurde (vgl, Simecka, Vajda, Szaruga, in: Burmeister u.a.

Oktober 1992

Sie haben etwa 4% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 96% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Januar 2026

In der Januar-Ausgabe skizziert der Journalist David Brooks, wie die so dringend nötige Massenbewegung gegen den Trumpismus entstehen könnte. Der Politikwissenschaftler Philipp Lepenies erörtert, ob die Demokratie in den USA in ihrem 250. Jubiläumsjahr noch gesichert ist – und wie sie in Deutschland geschützt werden kann. Der Politikwissenschaftler Sven Altenburger beleuchtet die aktuelle Debatte um die Wehrpflicht – und deren bürgerlich-demokratische Grundlagen. Der Sinologe Lucas Brang analysiert Pekings neue Friedensdiplomatie und erörtert, welche Antwort Europa darauf finden sollte. Die Journalistinnen Susanne Götze und Annika Joeres erläutern, warum die Abhängigkeit von Öl und Gas Europas Sicherheit gefährdet und wie wir ihr entkommen. Der Medienwissenschaftler Roberto Simanowski erklärt, wie wir im Umgang mit Künstlicher Intelligenz unsere Fähigkeit zum kritischen Denken bewahren können. Und die Soziologin Judith Kohlenberger plädiert für eine »Politik der Empathie« – als ein Schlüssel zur Bekämpfung autoritärer, illiberaler Tendenzen in unserer Gesellschaft.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Vom Einsturz zum Aufbruch: Die Protestbewegung in Serbien

von Krsto Lazarević

Rund 110 000 Menschen füllen am 1. November die Fläche vor dem Hauptbahnhof in Novi Sad, um der Opfer zu gedenken, die ein Jahr zuvor unter dem einstürzenden Vordach starben. Für die seit Monaten Protestierenden steht der Einsturz nicht für ein bauliches, sondern für ein politisches und gesellschaftliches Versagen: ein sichtbares Symbol für Korruption und ein zunehmend autokratisches System.

Keine Tugend ohne Tatkraft

von Philipp Lepenies

2026 jährt sich die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten zum 250. Mal. Sie ist neben der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte von 1789 das wohl wichtigste Dokument der politischen Moderne. Mit der Herrschaft von Donald Trump stellt sich die Frage, ob die Demokratie in den USA noch gesichert ist.