Ausgabe März 1993

Was tun gegen rechts?

Plädoyer für einen Demokratie-Pakt

I

Die Zeichen sind gesetzt. Die Lichterketten sind weithin sichtbar und die Botschaft der großen Konzerte ist nicht zu überhören. Millionen Menschen in den alten und neuen Ländern der Bundesrepublik haben in den zurückliegenden Monaten gezeigt, daß sie bereit sind, rassistischer Gewalt und rechter Stimmungsmache entgegenzutreten. "Ich bin froh, daß die Mehrheitsmeinung in diesem deutschen Winter ihr Symbol in der Kerze hat. Und nicht in Baseballschlägern", formulierte es Robert Hetkämper eindringlich 1). Und Jürgen Habermas stellte in der "Zeit" fest, daß nun endlich "die in den 80er Jahren herangereifte Protestkultur weitere Kreise zieht... Sie verteidigen die Standards eines in der alten Bundesrepublik eingeübten und halbwegs selbstverständlich gewordenen zivilen Umgangs miteinander" 2). Und doch bleiben auch in dieser Phase der allgemeinen Erleichterung und der vorsichtigen Hoffnung Fragezeichen. Ist die Gewalt nun wirklich abgeebbt oder gibt es nur eine Pause? Ist die Bundesregierung wirklich bereit, eine längerfristige Politik gegen Gewalt und Ausländerfeindlichkeit zu entwickeln oder begnügen sich die Konservativen wieder mit einigen Alibi-Maßnahmen? Vor allem ein Widerspruch beschäftigt viele, die sich an den Lichterketten und anderen Aktionen beteiligt haben.

März 1993

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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