Ausgabe April 1993

Deutsche Truppen in alle Welt?

Zu der seit dem vergangenen Sommer aufbrandenden Debatte um einen militärischen Schlag gegen Serbien - womöglich unter Beteiligung der deutschen Bundeswehr! - hat sich der ranghöchste deutsche Offizier, General Klaus Naumann, im Juli 1992 eindeutig geäußert: Er sprach sich gegen jedes militärische Engagement des Westens aus, "weil der Bürgerkrieg mit militärischen Mitteln nicht beendet werden könne. Wenn man die Ursache des Konflikts analysiere, komme man zu dem Ergebnis, daß er militärisch nicht zu lösen sei" 1). Der Führungsstab der Bundeswehr pflichtete ihm rund vier Wochen später ausdrücklich bei 2). Auch eine Anhörung vor dem Streitkräfteausschuß des US-Senats hatte ein ähnliches Ergebnis gezeitigt 3).

In der Tat ist denn auch nach dem UNO-Sicherheitsrats-Beschluß vom 13. August 1992, der zwar keinen direkten Militäreinsatz, wohl aber den militärischen Schutz von Hilfstransporten erlaubt hatte, in allen westlichen Staaten alsbald "die Nüchternheit gegenüber einem bewaffneten Einsatz größer geworden" so umschrieb Bundesverteidigungsminister Volker Rühe den damaligen Sinneswandel 4).

April 1993

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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