Ausgabe Januar 1994

Ausweg aus der Armutsfalle?

Zur Diskussion um Mindesteinkommen und Arbeitsmarkt

1. Umbau des Sozialstaats mit dem "Bürgergeld"

Die langanhaltende strukturelle Arbeitsmarktkrise, ergänzt und teilweise überdeckt durch die Umbruchkatastrophe in der vormaligen DDR, ließ in Deutschland Armut 1) als Massenerscheinung wiedererstehen.

Damit scheint von neuem ein Phänomen auf, dessen Beseitigung sich die "soziale Marktwirtschaft" als Erfolg in der Systemkonkurrenz zurechnete. Nach dem Wegfall der Systemalternative - längst vor ihrem tatsächlichen Zusammenbruch im Massenbewußtsein -, reagiert die bestimmende Sozialpolitik auf "neue" und "alte" Armut traditionell, nämlich mit armutssteigernden Kürzungen von Sozialleistungen, einhergehend mit und öffentlich legitimiert durch Schuldzuweisungen an die Armen.

Noch jeder Sozialabbau, so auch besonders der jüngste im Schatten des "Solidarpaktes", ging einher mit einer Kampagne gegen den Leistungsmißbrauch durch die Armen 2). Die wahlpolitisch fatalen Konsequenzen der zunehmenden Gesellschaftsspaltung 3), der Exklusion eines wachsenden Teils der Bevölkerung aus dem durchschnittlichen Lebensstandard, werden nun offenbar auch den politischen Kräften bewußt, die wesentliche Verantwortung für die Ausgrenzung tragen.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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