Ausgabe März 1994

Europa, von Washington aus betrachtet

Zu einer kritischen Sicht der Weltlage und der Clinton-Außenpolitik trafen sich Ende Januar in Washington die ehemaligen Außenministers James Baker, Alexander Haig, Edmund Muskie und William Rogers. Das in Atlanta ansässige Southern Center for International Studies (SCIS) hatte zu dieser traditionellen Runde eingeladen, die diesmal im State Department tagte 1). Herausragende Themen (neben dem Friedensprozeß im Nahen Osten): der Krieg in Bosnien, die Entwicklungen in Osteuropa und in Rußland, schließlich der west- und gesamteuropäische Einigungsprozeß. Das Programm versprach auch politikwissenschaftliche Resultate - außenpolitische Instrumentarien unter neuen Bedingungen, Rezepte zur Förderung von Demokratie und Wirtschaftsreformen im postsowjetischen Osteuropa und den Nachfolgestaaten der UdSSR; die Debatte fiel dann doch weniger grundsätzlich aus. Die Formulierung einer anspruchsvollen Agenda war erwartungsgemäß einfacher als deren Umsetzung.

Bosnien

Die Friedensformel, die im Nahen Osten gefunden scheint, hat für Bosnien keiner parat. Was man nicht tun sollte, wissen die Beteiligten allemal besser, als was zu tun ist. Daneben gibt es bestenfalls Kenntnisse darüber, was in der Vergangenheit hätte getan werden müssen. Die ehemaligen Außenminister machten da keinen Unterschied. Alexander Haig: Zu Beginn der Krise hätte Amerika mehr Stärke zeigen sollen.

März 1994

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In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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