Ausgabe August 1994

Micro und soft

Die Kids sind im Kommen im Hollywoodfilm, und vielleicht ist das ja ein Schritt hin zu einem neuen Realismus, denn wenn seine Helden schon das geistige Reflexionsniveau und die Bedürfnisstrukturen von Kindern haben, dann ist es vielleicht glaubwürdiger, die Elfjährigen selber ran zu lassen. Preston ist so einer, und mit ihm wird das alte Spiel vom Bauern als König durchexerziert. Ein Blank Check (so heißt der Film von Rupert Wainwright, deutscher Verleihtitel Mac Millionär), den er sich selber über eine Million Dollar ausstellt, erlaubt ihm, die Geburtstags-Wunschliste abzuhaken: ein eigenes Haus, in dem nicht die Regeln des modern erziehenden Vaters gelten, und jede Menge Spielzeug muß her. Das erledigt der die EDV wie einen Brummkreisel beherrschende Junge über den Computer, der zugleich eine juristische Person hergeben muß mit Namen Macintosh (100 Minuten Werbung für Apple).

Damit erklärt werden kann, warum die Bank den Scheck anstandslos einlöst, und damit action ins Spiel kommen kann, gibt es auch noch eine Gangstergang, die die Million eigentlich "waschen" lassen wollte, und den Bankdirektor, der dies tut, weil ihm die Diskretion über seine Machenschaften soviel wert ist, sowie jede Menge Zufälle.

Schließlich gehört auch die Staatsmacht dazu in Gestalt einer FBI-Agentin, mit der auch eine kleine Liebesgeschichte abgedeckt werden kann.

August 1994

Sie haben etwa 34% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 66% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Holger Friedrich und die OAZ: Wie ein Verleger Demokratiefeinde hofiert

von Matthias Meisner

Auf dem deutschen Medienmarkt gibt es seit Ende Februar eine neue Zeitung. Das ist angesichts der andauernden Krise der Printmedien bemerkenswert. Doch über die »Ostdeutsche Allgemeine Zeitung« gibt es noch weit mehr zu sagen.