Ausgabe Oktober 1995

Israel: Siedler Machen Politik

Die israelischen Siedlungen sind ein zentrales Problem im israelisch-palästinensischen Friedensprozeß geworden, seit die beiden Seiten sich 1993 in Oslo über die vorläufige Selbstverwaltung der Palästinenser in den von Israel 1967 besetzten Gebieten verständigt hatten. 1) Vorgesehen war ein zweiphasiger Prozeß: In der ersten Phase soll der Rückzug der israelischen Streitkräfte und die Übertragung von Befugnissen an die Palästinenser erfolgen; zuerst im Gazastreifen und in Jericho, anschließend auch im übrigen Westjordanland, wobei Jerusalem ausgenommen ist. Während das Abkommen für Gaza und Jericho bereits umgesetzt wurde, mußte die Ausweitung der Autonomie auf das gesamte Westjordanland, ursprünglich für den 1. Juli 1995 geplant, Mal für Mal verschoben werden.

Ein Hauptproblem: Die Sicherheit der dort lebenden Siedler, die auch nach der Umgruppierung der israelischen Truppen gewährleistet sein muß. Erst am 11. August einigten sich Israels Außenminister Shimon Peres und PLO-Chef Yassir Arafat im ägyptischen Badeort Taba auf die Parameter des israelischen Truppenrückzugs. In der zweiten Phase sollen die Verhandlungen über den endgültigen Status der Gebiete beginnen: Komplexe Fragen wie Grenzziehung, Siedlungen und Jerusalem stehen nicht später als Mai 1996 auf der politischen Tagesordnung.

Oktober 1995

Sie haben etwa 10% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 90% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Putins Kriegswirtschaft: Propaganda und Realität

von Michael R. Krätke

Zu den ständig wiederholten Propagandalügen des russischen Regimes gehört die Behauptung, Russlands Wirtschaft werde von den Sanktionen des Westens kaum berührt. Viele glauben das, weil die Ankündigung, die Sanktionen würden Russland in kürzester Zeit in die Knie zwingen, nicht eingetroffen ist.

Politik als Gewinnspiel: Wetten auf Krieg und Frieden

von Sonja Peteranderl

Über Monate hinweg beobachteten US-Geheimdienste jede Bewegung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro. Am 3. Januar gab US-Präsident Donald Trump schließlich grünes Licht für die »Operation Absolute Resolve«.

Libanon: Letzte Hoffnung Trump?

von Kristian Brakel

Seit Anfang März tobt im Libanon die x-te Auflage des jahrzehntealten Konflikts zwischen Israel und der Hisbollah. Während die Weltöffentlichkeit gebannt verfolgt, wie Donald Trump die militärische Projektionskraft der USA am Golf verspielt, erregt der Konflikt zwischen Israel und der Hisbollah weit weniger Aufmerksamkeit.