Ausgabe Juli 1996

Chronisches Leiden

Die Krise des Gesundheitsmarktes

Die Diskussionen über Reformen im Gesundheitswesen folgen in den letzten 20 Jahren in immer kürzeren Abständen. Die Wirkung der ersten größeren Umgestaltung mit dem sog. "Kostendämpfungsgesetz" von 1981 war schnell verpufft. 1989 sprach der damalige Gesundheitsminister Blüm bezogen auf das "Gesundheitsreformgesetz" (GRG) noch von einer Jahrhundertreform. Diese wurde dann aber bereits 1993 durch Gesundheitsminister Seehofer mit dem "Gesundheitsstrukturgesetz" (GSG) novelliert. Nun soll das Gesetz erneut überholt werden, um die dritte Stufe der Reform zu erreichen. Trotz der vielfältigen Maßnahmen betrug das kumulierte Defizit der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) allein zwischen 1991 und Mitte 1995 7,4 Mrd. DM. 1) Zum Ausgleich steigen die Beitragssätze für die Versicherten. 1970 lagen sie durchschnittlich bei ca. 8% vom monatlichen Bruttoeinkommen, heute dagegen bei ca. 13%. Die Therapie, die dem chronisch notleidenden Gesundheitsmarkt verordnet werden soll, heißt Wettbewerb auf der Angebots- und Entsolidarisierung auf der Nachfrageseite. Insbesondere die FDP propagiert diesen Weg.

Juli 1996

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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