Ausgabe September 1996

Armutskarrieren

Neue Tendenzen der Armutsforschung

Armut war hierzulande lange Zeit ein Tabuthema. Und als der Deutsche Paritätische Wohlsfahrtsverband (DPWV) in der Absicht, dagegen etwas zu unternehmen, am 9. November 1989 unter dem Titel "... wessen wir uns schämen müssen in einem reichen Land" den ersten "Armutsbericht" für die Bundesrepublik vorlegte, da wollte sich offensichtlich - am Tag der Maueröffnung ebensowenig wie in der Zeit danach - niemand so richtig schämen. Die Mahnung, Armut dürfe nicht länger geleugnet werden, ging im Einigungstrubel der nachfolgenden Wochen und Monate unter. Mittlerweile jedoch ist das Thema wieder in der öffentlichen Debatte. Dazu beigetragen haben nicht nur die wachsende Zahl von Sozialhilfeempfängern und die sich herausbildende Armutspopulation in Ostdeutschland - Entwicklungen, wie sie etwa der (nun gesamtdeutsche) Armutsbericht des DPWV vom Januar 1994 dokumentierte; dazu beigetragen hat vor allem auch eine Forschungsrichtung, die sich bereits ab Ende der 80er Jahre am Zentrum für Sozialpolitik an der Universität Bremen etablierte und die über die Fachöffentlichkeit hinaus für Beachtung und Diskussionen sorgt.

Sie wird als "dynamische" bzw.

September 1996

Sie haben etwa 4% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 96% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Weitere Artikel zum Thema

»Kakerlaken«-Proteste: Indiens zerbrochener Gesellschaftsvertrag

von Britta Petersen

Über einen Monat lang demonstrierten junge Menschen in Indiens Hauptstadt Neu-Delhi und weiteren großen Städten des Landes, bis die Regierung ihrer Forderung nach einem Rücktritt des Bildungsministers Dharmendra Pradhan nachgab.

Politik des Misstrauens: Die schwarz-rote Kurzsichtigkeit

von Annett Mängel

Es sollte der Durchbruch werden, mit dem die schwarz-rote Bundesregierung vor den so wichtigen Herbstwahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin ihre Tat- und Schaffenskraft demonstrieren wollte: Friedrich Merz, Lars Klingbeil, Bärbel Bas und Markus Söder stellten am 2. Juli ein 34 Punkte umfassendes Reformpaket vor.