Ausgabe Dezember 1996

Auf der Suche nach einer anderen Gesellschaft

Jeder noch so entschlossene Frontalangriff auf die Arbeitslosigkeit kann nur im Mißerfolg enden, wenn er unter unveränderten Rahmenbedingungen und unveränderter Perspektive, nämlich Vollbeschäftigung in den klassischen Formen wiederherstellen zu wollen, erfolgt. Nicht anders als in den vergangenen zwanzig Jahren wird auch in Zukunft Schlacht um Schlacht verloren gehen. Wenn wir uns Illusionen über das machen, was auf dem Spiel steht, verschlimmern wir die Situation, anstatt sie zu verbessern, vergrößern wir den Schock, anstatt uns die Mittel und die Zeit zu verschaffen, ihn abzufedern. Mit einem Schlag errichten wir wider unseren Willen eine Gesellschaft, deren Werte in völligem Widerspruch stehen zu denen, die wir fördern sollten. Eine Bilanz der letzten zwei Jahrzehnte spricht in dieser Hinsicht für sich.

Wir müssen uns also, und zwar umgehend, bewußt machen, welche historische Entwicklung sich vor unseren Augen abspielt: Das Ende dieses Jahrhunderts ist wahrscheinlich nur mit der tiefgreifenden Umwälzung beim Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit vergleichbar. Deshalb müssen wir uns klar machen, daß wir keine wohlfeilen Rezepte - wie bei der Lösung einer Krise, einer klassischen konjunkturellen Krise - zur Hand haben und auch nicht weiter danach zu suchen brauchen.

Dezember 1996

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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