Mehr als fünf Jahre ist es her, daß die Algerierinnen und Algerier zum erster Mal an demokratischen Wahlen teilnehmen durften. Da sie sich damals mehrheitlich für die "Falschen", d.h. die islamistisch orientierte Front Islamique du Salut (FIS) entschieden, wurde die Wahl vom Militär annulliert, der zweite Wahlgang abgesagt, am 12. Februar 1992 der Ausnahmezustand verhängt und einen Monat später die FIS verboten. Seitdem befindet sich das Land im Bürgerkrieg, der nach Angaben aus internationalen Quellen mehr als 80 000 Todesopfer forderte, nach algerischen Quellen sind es mehr als doppelt so viele. Hinzu kommen Tausende von Gefolterten und "Verschwundenen" 1) Als die Militärs intervenierten, taten sie dies unter dem Motto "Keine Demokratie für die Feinde der Demokratie!", für deren Hüter sich die algerischen Streitkräfte offensichtlich halten. Tatsächlich bildet die Armee seit Erlangen der Unabhängigkeit die Quelle der Macht des algerischen Staates. Dessen Legitimität stützt sich auf die bewaffnete Aktion. Der Primat der Militärs erklärt sich aus der historischen Entwicklung. Innerhalb der Unabhängigkeitsbewegung gelang es den auf militärische Aktionen bedachten Kräften, die Oberhand zu gewinnen.
In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.