Vier Leben, so sagt er, habe er gelebt: Die Jugendzeit in Wien beschreibt Walter Grab - trotz des latenten Antisemitismus auch dort - als unbeschwert und heiter. Dann, er hatte gerade das Abitur abgelegt, 1938 der "Anschluß" Österreichs - und seine Flucht nach Palästina. Sein zweites Leben, das nun begann, war sein schwerstes: Fast 25 Jahre lang schlug er sich als Handwerker und Kaufmann in Palästina eben so durch. Seine Verwandten, die in Wien geblieben waren, wurden Opfer der faschistischen Mordmaschinerie. Die Frage, die ihn seit dem Schock des Jahres 1938 nicht mehr losließ, bestimmte sein drittes wie sein viertes Leben: Wie war das möglich in einer Kultur, die er in seiner Jugend so verehrt und so geliebt hatte? So besuchte er nach Feierabend Vorlesungen an der Universität Tel Aviv: Vom Studium der Geschichte, der deutschen Literatur und der politischen Philosophie erhoffte er sich eine Antwort. 1962 konnte er endlich ein richtiges Studium aufnehmen. Er promovierte bei dem Hamburger Historiker Fritz Fischer, der ein Jahr zuvor mit seinem Buch "Griff nach der Weltmacht" das bis dahin in der Bundesrepublik vorherrschende nationalkonservative Geschichtsbild zertrümmert hatte.
In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.