Ausgabe April 1999

An der Oberfläche gekratzt

Nach zwei Wochen ist der Film schon ins kleinere Kino abgeschoben worden. Late Show, der letzte Teil von Helmut Dietls medienkritischer Trilogie (nach Schtonck! gegen die Presse und Rossini gegen das Kino) ist trotz Reklamerummel und Klatschgeschichten und trotz des Aufgebots von TV-Stars wie Harald Schmidt und Thomas Gottschalk schon nicht mehr in den Charts. Dem Stern war die "bitterböse Abrechnung mit dem seelenlosen Fernsehgeschäft" sogar eine Titelgeschichte wert. Im Interview lassen die beiden Insider kein gutes Haar an der "Verblödungsfabrik": "Fernsehen macht krank, blind und blöd. Und zwar alle. Die, die zuschauen und die, die's machen." Es tauchen ein paar Argumente auf, die an die radikale Medienkritik der Frankfurter Schule erinnern ("Da die Menschen für ihr wirkliches Leben kein Fernsehen brauchen, tischt man ihnen eine Lügenwelt auf"), aber die zynische Abrechnung bleibt ganz innerhalb der Grenzen des mit der eigenen Karriere Verträglichen.

Der Rundumschlag ist merkwürdig ziellos. Mal sind es die Zuschauer, welche die absurdesten Perversitäten sehen wollen: Yehudi Menuhin oder Loriot sind nichts gegen "den Typen, dem seine Frau den Pimmel abgeschnitten hat".

April 1999

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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