Ausgabe April 1999

An der Oberfläche gekratzt

Nach zwei Wochen ist der Film schon ins kleinere Kino abgeschoben worden. Late Show, der letzte Teil von Helmut Dietls medienkritischer Trilogie (nach Schtonck! gegen die Presse und Rossini gegen das Kino) ist trotz Reklamerummel und Klatschgeschichten und trotz des Aufgebots von TV-Stars wie Harald Schmidt und Thomas Gottschalk schon nicht mehr in den Charts. Dem Stern war die "bitterböse Abrechnung mit dem seelenlosen Fernsehgeschäft" sogar eine Titelgeschichte wert. Im Interview lassen die beiden Insider kein gutes Haar an der "Verblödungsfabrik": "Fernsehen macht krank, blind und blöd. Und zwar alle. Die, die zuschauen und die, die's machen." Es tauchen ein paar Argumente auf, die an die radikale Medienkritik der Frankfurter Schule erinnern ("Da die Menschen für ihr wirkliches Leben kein Fernsehen brauchen, tischt man ihnen eine Lügenwelt auf"), aber die zynische Abrechnung bleibt ganz innerhalb der Grenzen des mit der eigenen Karriere Verträglichen.

Der Rundumschlag ist merkwürdig ziellos. Mal sind es die Zuschauer, welche die absurdesten Perversitäten sehen wollen: Yehudi Menuhin oder Loriot sind nichts gegen "den Typen, dem seine Frau den Pimmel abgeschnitten hat".

April 1999

Sie haben etwa 26% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 74% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Holger Friedrich und die OAZ: Wie ein Verleger Demokratiefeinde hofiert

von Matthias Meisner

Auf dem deutschen Medienmarkt gibt es seit Ende Februar eine neue Zeitung. Das ist angesichts der andauernden Krise der Printmedien bemerkenswert. Doch über die »Ostdeutsche Allgemeine Zeitung« gibt es noch weit mehr zu sagen.