Ausgabe August 1999

Ein Märchen aus alten Zeiten

Notting Hill ist ein Stadtteil in London, aber wenn die Autos nicht auf der linken Straßenseite führen, könnte es auch ein quartier in Paris sein. Oder eine neighbourhood in New York, da, wo die USA am europäischsten sind. Märkte, Buchläden, Kneipen, Künstler, sympathische und skurrile Menschen konstituieren ein Gutmensch-Biotop, in dem das praktiziert wird, was man einmal Lebenskunst nannte, von Leuten, die sich alle irgendwie bescheiden durchschlagen und trotzdem glücklich sind, weil sie wissen, daß Geld allein nicht glücklich macht. Filme, die diese Botschaft vermitteln wollen, spielen mit Vorliebe in solchen Milieus, aber es muß natürlich auch ein Königshof in Reichweite sein, damit das sprichwörtliche Glück aus Bescheidenheit sich bewähren kann. Da fällt dann dem Mädchen, das auf dem Dach eines Busses sitzt, der Pelzmantel auf den Kopf, den der Millionär aus dem Fenster wirft, als er sich im Geldpalast nebenan mit seiner Frau über deren Modeetat streitet. Am Ende heiratet sie den Sohn des Bankiers, und wir brauchen uns keine Sorgen mehr zu machen, wie das zusammenpassen soll. Easy Living heißt der Film von 1937.

Leicht nimmt auch der Buchhändler William, dessen Geschäfte mehr schlecht als recht gehen, das Leben in dem Film Notting Hill von 1999.

August 1999

Sie haben etwa 28% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 72% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Fortschrittsfalle KI

von Roberto Simanowski

Unbemerkt von den meisten, verschiebt sich die Macht vom Menschen zur Maschine. Erste Studien bezeugen: Der Mensch wird dümmer durch KI. Je mehr er sie als Hilfsmittel nutzt, umso geringer seine kognitive Aktivität und schließlich seine Fähigkeit zum kritischen Denken.