Seit Monaten dasselbe Bild. Die Grünen sinken tief und tiefer in der Wählergunst und die Demoskopen verkünden voller Überraschung: "Trotz der schlechten Noten für die Grünen steht Außenminister Joschka Fischer ganz oben in der Beliebtheitsrangliste." Welcher Streit auch immer im grünen Hühnerhaufen tobt, eines ist gewiß: Joschka Fischer geht gestärkt daraus hervor. Die Medien sind begeistert. Ein Phänomen, dieser Mann! Dabei ist das Prinzip immer dasselbe. Fischers Aktien steigen nicht trotz, sondern wegen des grünen Desasters. Und auch die Dramaturgie verläuft stets nach dem gleichen Muster. Ein gramvoller Joschka Fischer nimmt den Kampf mit den Windmühlenflügeln seiner Partei auf. Seine Botschaft ist schlicht und lautet: Normale Partei werden, normale Strukturen. So bereits im März '99 in Erfurt, als der leidgeplagte Außenminister sich wieder einmal anschickte, es mit den unprofessionellen Parteistrukturen aufzunehmen. Und wieder war der grüne Kindergarten gar zu uneinsichtig. Joschkas Kurse stiegen, obwohl der Mißerfolg primär seiner eigenen Medienpolitik zuzuschreiben war. Und genauso hätte es am Wochenende der Sachsenwahl funktionieren können, als sich der "alte Jagdhund" (Fischer über Fischer) 1) einmal mehr an seine Sisyphus-Arbeit, genannt Parteireform, begab.
In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert.