Ausgabe Februar 2000

Europa unter falscher Flagge

Seine äußere Sicherheit und die seiner Bürger zu schützen, ist die selbstverständliche Pflicht jedes Staates. Solange noch Militärapparate und Kriegsrüstungen auf der Erde existieren, können sie eingesetzt werden, auch gegen das eigene Land. Diese Gefahr gilt es abzuwenden, durch politische, notfalls durch militärische Vorkehrungen. Darin besteht die Aufgabe staatlicher Sicherheitsund Verteidigungspolitik. Eine Staatengemeinschaft, die zur politischen Union zusammenwachsen will, handelt nur folgerichtig, wenn sie auch diesen Politikbereich in die gemeinsame Zuständigkeit nimmt. Der Entschluß der Europäischen Union, nach Jahren der Ankündigung nun mit dem Vorhaben ernst zu machen, klingt also vernünftig. Schon wird die verteidigungspolitische Initiative der EU als historischer Schritt, gar als Sprung in das neue Jahrhundert gefeiert.

Die Ungereimtheiten enthüllen sich bei näherem Hinsehen. Zunächst gibt es da ja bereits die NATO. Ihr gehören elf der 15 EU-Staaten an. Sie ist verantwortlich für alle Belange der kollektiven Selbstverteidigung ihrer Mitglieder. Daran soll sich auch zukünftig nichts ändern. Das Bündnis behält ungeschmälert seinen bisherigen Auftrag bei.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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