Die Nation kann aufatmen. Die Medien verkündeten den Durchbruch. Am 9. Januar gelang es dem Bundeskanzler, die Tarifparteien auf ein gemeinsames Papier einzuschwören. Das Bündnis für Arbeit, gestern noch vom Scheitern bedroht, wird fortgesetzt. Sicher ein Erfolg für alle, die den Spielraum möglicher Konsenssuche noch nicht ausgelotet sehen. Doch wer nach Inhalten sucht, wer also das Kommuniqué danach befragt, welche konkreten Schritte nun zur wirksamen Überwindung der Arbeitslosigkeit verabredet sind, bleibt auch nach mehrmaliger Lektüre ohne Antwort. Prompt zeigte sich zwei Tage später, dass hinter dem Formelkompromiss die alten Gegensatze unverändert aufeinander stoßen. Hatte es doch die IG Metall gewagt, die Aussagen über "ein vorzeitiges Ausscheiden aus dem Berufsleben" beim Wort zu nehmen und in eine Tarifempfehlung einzubauen, die sich mit 5,5% Gesamtvolumen angesichts der wirtschaftlichen Lage noch bescheiden ausnimmt. Die empörte Reaktion der Arbeitgeber belegt, dass sie sich umgekehrt vom gleichen Dokument in ihrem Verlangen nach "moderater", den Verteilungsspielraum nicht ausschöpfende Tarifpolitik bestätigt fühlen. Was vom gepriesenen "Durchbruch" bleibt, ist die Erkenntnis, dass wieder einmal die Inszenierung fürs Ereignis genommen wurde - übrigens kein Beweis für die Kompetenz der Medien.
In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.