Ausgabe September 2000

Integration und Selbstanerkennung

"Rainer Hanks leidenschaftliche Streitschrift plädiert mit Nachdruck dafür, den vielgeschmähten 'Manchester Kapitalismus' und den ungehemmten Wettbewerb zu rehabilitieren - aus moralischen wie sozialen Gründen." (Aus einer Buchankündigung des Verlags S. Fischer im Jahr 2000)

Die mitten im Sommer entbrannte Debatte darüber, wie man in diesem Land mit "Fremden" (und miteinander) umgeht, war überfällig. Sie kann nicht als Sommerloch-Füller abgetan werden. Letztlich geht es um eine Selbstvergewisserung dieser Gesellschaft. Seit Jahren macht sie, durchaus nicht nur im Osten, einschneidende Veränderungen durch: erst die "Wiedervereinigung" (die deutschdeutschen Integrationsprobleme demonstrieren jeden Tag, wie falsch der Begriff und wie irrig die Vorstellung war, die Beschwörung "Wir sind ein Volk" oder "Wir sind Deutsche" reiche als Basis); hinzu kommt jetzt die späte Einsicht, daß das Land Einwanderung nicht nur akzeptieren muß, sondern braucht, mit der Konsequenz eines neuen Staatsbürgerschaftsrechts auf der Basis des Territorial-, statt des Blutprinzips; und alle sehen sich unter dem Druck der Globalisierung, verstanden sowohl als realer Prozeß wie als voluntaristisches Konzept, als Aktionsprogramm einer neoliberalen Allparteienkoalition.

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In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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