Ausgabe Dezember 2000

Aufbruch in Belgrad

In den beiden führenden politischen Wochenzeitschriften Serbiens, "Vreme" und "Nin", wurde Mitte November eine ungewöhnliche Annonce geschaltet: "Wir beobachten euch genau. Passt auf, was ihr tut. Dies ist eine Warnung: Um einen Bagger zu fahren, braucht man keinen Führerschein. Das Volk ist Widerstand". In der Mitte der schwarz-weißen Annonce war die berühmte geballte Faust der Jugendbewegung "Otpor" (Widerstand) zu sehen. Unter diesem Symbol kämpften Zehntausende Jugendliche in den letzten Jahren in lose organisierten Gruppen gegen das Regime Milosevic. Viele Tausende wurden verhaftet, von der Polizei misshandelt, vor Gerichten und in der Öffentlichkeit als "Faschisten" und "Albright-Jugend" verunglimpft. Am 5. Oktober waren "Otpor"-Aktivisten in den ersten Reihen der Massendemonstration in Belgrad, die Milosovic von der Macht fegte. Ein Bagger gelangte beim Sturm auf das Parlament zu mythischem Ruhm, denn mit Hilfe dieses Geräts wurde eine Fensterzeile im Untergeschoss des Parlaments aufgerissen. Durch diese Öffnung drangen die Demonstranten in das Gebäude und schlugen die - allerdings höchst kampfunwilligen - Polizisten aus dem Parlament in die Flucht.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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