Ausgabe Februar 2001

Die Revolution des Hugo Chávez

Beim Anflug auf Caracas, wo uns ein Erdöl-Seminar erwartete, sinnierten wir über das sperrige Kernthema der Beziehung USA-Lateinamerika: Ein Land der südlichen Hemisphäre nimmt Washington nur im Fall einer Krise wahr. Was eine Krise ausmacht, definierten State Department und Pentagon. Nicht was objektiv in einem lateinamerikanischen Land vorgeht, sondern was die Perzeption aus Washington ausmacht, entscheidet. Derzeit liefert Venezuela den Testfall dafür. Der südamerikanische Erdölstaat wird heute vom formaldemokratisch gewählten Fallschirmjäger-Oberst Hugo Chávez regiert. Auf den unkonventionellen Staatschef schossen sich in den vergangenen Monaten die Leitartikler der führenden US-Gazetten ein. "Is Chávez picking a fight?", fragte der Miami Herald, während die Washington Post gleich auf "A Venezuelan Castro" titelte.

Tad Szulc, Autor einer gründlichen Biographie über Fidel Castro, legte die Latte, sobald der Sieg von George W. Bush schließlich doch feststand, in der International Herald Tribune endgültig hoch: "Castro, Saddam and Chávez pose challenge to Bush". Auf Venezuela dürften also, im Sinne des chinesischen Fluches, interessante Zeiten warten. Entsprechend heftig blitzt es aus Caracas zurück.

Sie haben etwa 9% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 91% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema