Ausgabe Mai 2001

Mit der Weißheit am Ende

Australien und das Erbe des Rassismus

Nach den Olympischen Spielen des Jahres 2000 setzte der australische Premierminister auf den Geist von Sydney. Der hätte gezeigt, daß das australische Volk ebenso "tüchtig" wie "einig" wäre, sein Erbe voll Stolz betrachtete, keine Identitätsprobleme hätte und optimistisch in die Zukunft blickte. Außerdem hätte die Entzündung des olympischen Feuers durch eine Repräsentantin der Aborigines demonstriert, daß die Nation auf dem Weg der Versöhnung weiter vorangekommen wäre, als "studierte Schlechtmacherei" und "dumpf vor sich hin brütender Pessimismus" behaupteten. 1) Tatsächlich erinnern nicht erst die jüngsten Wahlerfolge der desolaten One Nation-Partei in Westaustralien und Queensland daran, daß Australien auf dem Weg zur multikulturellen Gesellschaft mit der Aufarbeitung seiner rassistischen Vergangenheit weiter zu tun hat. 2) Auch die Eröffnungszeremonie der Olympischen Spiele ließ dies deutlich werden. Zwar glänzte sie mit einem Feuerwerk an Einfällen und einer Vielfalt von Farben. Doch unter den inszenierten Tableaus aus der Geschichte Australiens war auch die Ankunft einer ebenso bunten wie ausgelassenen Menge von Immigranten zu sehen, die sich tanzend und vergnügt zu einem multikulturellen Ensemble fügten.

Sie haben etwa 4% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 96% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Weitere Artikel zum Thema

Indonesien: Die Wut der Gen Z und ihr Kampf gegen die Eliten

von Markus Berg

Seit zwei Jahren ist Indonesiens Präsident Prabowo Subianto nun im Amt – der konservative Ex-General folgte im Oktober 2024 auf den beliebten einstigen Reformer Joko Widodo, kurz: Jokowi, der das Land zehn Jahre lang regiert hatte.

Führungsfetisch statt Bürgernähe

von Markus Linden

Der rasende Autoritäts- und Machtverlust, den die Union und der Bundeskanzler binnen nicht einmal zwei Jahren an der Regierung erlitten haben, erklärt sich nicht zuletzt durch Friedrich Merz’ Führungsstil. Merz setzt ganz auf cäsaristische Anweisung von oben.