Ausgabe November 2001

Ehre, Amt und Arbeit

Das von der UN ausgerufene "Internationale Jahr der Freiwilligen" 2001 ist in Deutschland Anlass für zahlreiche wissenschaftliche, publizistische und politische Initiativen rund ums "Ehrenamt". Höchste gesetzgebende und Regierungsinstanzen beschäftigen sich mit dem Thema. Der Bundestag hat eine Enquete-Kommission "Zukunft des Bürgerschaftlichen Engagements" eingesetzt, nach deren Bericht im Frühjahr 2002 der Bundeskanzler eine Regierungserklärung abgeben will. Warum jetzt das große Interesse an Erscheinungen mit einer mindestens 200jährigen Geschichte? Die von ihren Ursprüngen her auf Freiwilligen-Arbeit basierenden Wohlfahrtsverbände, die Feuerwehren, das Vereinswesen und die politischen Parteien waren und sind typische Ausprägungen der bürgerlichen Gesellschaft und insofern nichts Neues.

Ehrenamt als sozialer Kitt für die auseinander driftende Gesellschaft

Dass von einer "Krise des Ehrenamts" die Rede ist, hat natürlich mit der krisenhaften Entwicklung der bürgerlichen Gesellschaft selbst zu tun. Der Übergang von der Industrie- zur Informationsgesellschaft produziert jede Menge Modernisierungsverlierer.

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In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social-Media- kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

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